Autobranche schrumpft: Beschäftigtenzahl auf Tiefstand seit 2005
Beschäftigung in der Autobranche erreicht den tiefsten Stand seit 2005
Die deutsche Autoindustrie hat im ersten Halbjahr deutlich weniger Beschäftigte gezählt als je zuvor in diesem Jahrhundert. Laut aktuellen Zahlen waren nur noch 691.500 Menschen in der Branche tätig, ein Rückgang um 42.300 binnen eines Jahres und der tiefste Wert seit 2005. Deutschlandweit spüren Zulieferer und Hersteller die Auswirkungen schon unmittelbar.
In keinem anderen großen Industriezweig fielen in diesem Zeitraum so viele Jobs weg. Trotz des Rückgangs bleibt die Automobilbranche insgesamt zweitgrößter Industriearbeitgeber nach dem Maschinenbau, der rund 905.900 Beschäftigte aufweist. Doch der Trend ist eindeutig: Auch andere Schlüsselbranchen wie die Metallverarbeitung, die chemische Industrie und Hersteller elektrischer Ausrüstung melden zum Teil deutliche Personaleinschnitte.
Als Treiber der Entwicklung gelten vor allem der scharfe Wettbewerb mit chinesischen Anbietern und hohe US-Importzölle, die die Nachfrage nach Waren made in Germany belasten. Hinzu kommen hohe Energiepreise, steigende Kosten durch Regulierung und Verwaltung sowie strukturelle Probleme in der Infrastruktur, die die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich schwächen.
- Autobranche gesamt: 691.500 Beschäftigte im ersten Halbjahr
- Jahresvergleich: minus 42.300 Beschäftigte
- Verarbeitendes Gewerbe insgesamt: 5,29 Millionen Beschäftigte, minus 144.100
Die Hersteller reagieren mit neuen Sparprogrammen: Im Volkswagen-Konzern stehen weitere 50.000 Stellen zur Disposition, überwiegend in Deutschland. Porsche plant bis 2032 den Abbau von rund 5.000 Jobs, BMW will laut Insiderangaben etwa 8.000 Stellen in Verwaltung und Entwicklung streichen. Mercedes-Benz setzt den Sparkurs nach freiwilligen Abgängen ebenfalls fort, ohne genaue Zahlen zu nennen.
Wirtschafts- und Unternehmensberater sehen keine schnelle Entspannung. «Beim Thema Jobs gibt es keinerlei Entwarnung - im Gegenteil», sagt ein Branchenexperte. Viele Restrukturierungen seien noch nicht abgeschlossen, zudem belasteten hohe Arbeitskosten und eine schwache Produktivitätsentwicklung. Selbst bei stabilisierenden Umsätzen seien weitere Einschnitte wahrscheinlich.
Vor diesem Hintergrund fordern Ökonomen und Gewerkschaftsexperten eine stärkere industriepolitische Ausrichtung. Gefordert werden unter anderem eine selektivere Ausrichtung staatlicher Förderung, Schutzmechanismen für Schlüsselbranchen und gezielte Investitionen in Zukunftstechnologien und Infrastruktur. Zugleich sehen einige Beobachter Ansätze der Bundesregierung positiv, die etwa steuerliche Entlastungen und den Ausbau der Infrastruktur anstrebt.
Die Entwicklung wirft eine grundlegende Frage auf: Wie kann Deutschland seine industrielle Basis in einer Zeit globaler Verlagerungen und wachsender Konkurrenz verteidigen, ohne die Transformation zu neuen Technologien zu verlangsamen? Die Antwort darauf wird entscheidend für Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft in den kommenden Jahren sein.