Autoindustrie verlagert Jobs ins Ausland und streicht Stellen – Deutschland besonders betroffen
Autobranche verlagert Arbeitsplätze ins Ausland und reduziert Belegschaften
Stuttgart — Eine exklusive Befragung der Unternehmensberatung Horváth & Partner, die dem SWR vorliegt, zeichnet ein klares Bild: Hersteller und Zulieferer werden ihre Beschäftigten 2025 im Schnitt um 1,5 Prozent gegenüber 2024 reduzieren. Besonders betroffen sind Deutschland und Westeuropa.
Fast 80 Prozent der befragten Automobilhersteller planen demnach deutliche Personalabbauten in Westeuropa, bei den Zulieferern sind es rund 70 Prozent. Frank Göller, Autoexperte bei Horváth, betont, dass nicht nur Stellen wegfallen, sondern viele Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden sollen. Dieser Trend habe sich bereits 2024 abgezeichnet und beschleunige sich 2025.
Verlagerung geht über Fertigung hinaus
Viele Unternehmen wollen neue Stellen in Osteuropa, Nordamerika, China und vor allem Indien schaffen. Laut German Trade and Invest arbeiten in Indien bereits etwa 5,4 Millionen Menschen in der Software- und IT-Branche, weshalb dort vor allem Verwaltung und IT-Funktionen als Verlagerungsziel gelten. Zugleich prüfen einige Konzerne Indien auch als Produktionsstandort.
- Betroffene Bereiche: Verwaltung, IT und Teile der Produktion.
- Geplante Zielregionen: Osteuropa, USA, China und Indien.
- Konsequenzen: Arbeitsplatzabbau in Westeuropa, neue Stellen im Ausland.
Gleichzeitig signalisieren viele Unternehmen weiterhin eine Bindung an Deutschland: Fast 40 Prozent der geplanten Investitionen sollen laut Umfrage in Deutschland erfolgen, vor allem in Digitalisierung und Produktionsanlagen für neue Fahrzeuggenerationen. Das ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Druckfaktoren bleiben hoch
Die Branche sieht sich mehreren Belastungen ausgesetzt: verschärfter internationaler Wettbewerb, ein anhaltender Nachfragerückgang in Europa und höhere Zollkosten im Handel mit den USA. Die Einigung zwischen EU und USA hat zwar eine weitere Eskalation verhindert, lässt aber Zölle von bis zu 15 Prozent gelten und erhöht damit den Kostendruck.
Regionale Folgen sind bereits sichtbar: In Baden-Württemberg protestierten bis zu 6000 Beschäftigte vor der ZF-Zentrale in Friedrichshafen gegen Sparpläne, Bosch plant in Reutlingen den Wegfall von etwa 1100 Stellen, und Daimler Truck kündigte umfangreiche Kürzungen an. Auch Gewinne großer Hersteller wie Porsche und Mercedes sind zuletzt deutlich gefallen, was die Sparzwänge verstärkt.
Ausblick
Für den Standort Deutschland wird entscheidend sein, ob Politik und Wirtschaft in Forschung, Qualifizierung und zukunftsfähige Fertigung investieren. Ohne Gegenmaßnahmen droht ein anhaltender Strukturwandel mit spürbaren Folgen für Regionen mit hoher Autoindustrie-Dichte.