Autoindustrie verliert 142.500 Stellen seit 2018 – Strukturwandel und internationale Konkurrenz beschleunigen Abbau
Autoindustrie hat seit 2018 gut 142.500 Stellen verloren
Neue Zahlen des Center of Automotive Management zeigen ein drastisches Bild: Ende Juni 2026 arbeiteten in der deutschen Automobilbranche nur noch rund 691.500 Menschen. Gegenüber dem Rekordwert von 2018 fehlen damit etwa 142.500 Arbeitsplätze, das entspricht einem Rückgang von rund 17 Prozent.
Die Verluste betreffen vor allem Zulieferer, die allein im ersten Halbjahr 2026 ein Minus von 7,6 Prozent verzeichneten. Auch die Hersteller bauten deutlich Stellen ab, um 6,1 Prozent. Das Tempo des Personalabbaus überrascht, weil die Prognosen aus dem Jahr 2017 einen ähnlichen Rückgang erst beim Erreichen eines 50-Prozent-Anteils von Batterieautos und Plug-in-Hybriden erwartet hatten. Tatsächlich lag der kombinierte Anteil von BEV und PHEV in der ersten Jahreshälfte 2026 bei nur etwa 36 Prozent.
Studienleiter Prof. Dr. Stefan Bratzel zieht daraus ein klares Fazit: «Den Stellenabbau pauschal dem Elektroauto zuzuschreiben greift zu kurz». Vielmehr spiele die sinkende Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandorts Deutschland eine zentrale Rolle. Hohe Energie- und Personalkosten sowie ein komplexes Regelwerk belasteten Produktion und Investitionsklima, heißt es in der Analyse.
Technologischer Druck aus Asien verschärft Lage
Zusätzlichen Rückenwind für den Stellenabbau bringen Chinas Hersteller. Ihre Fortschritte bei Reichweite und Schnellladeleistung setzen deutsche Marken unter Druck. Während deutsche Modelle mit großen Akkukapazitäten und hohen WLTP-Reichweiten punkten, sind Ladezeiten ein Schwachpunkt: Für einen Ladestopp von 10 auf 80 Prozent sind bei vielen deutschen Modellen noch 23 bis 28 Minuten üblich.
Chinesische Anbieter zeigen dagegen rasant kürzere Ladezyklen: Hersteller berichten von Ladungen in deutlich unter 10 Minuten bei hohen Ladeleistungen, und neue EREV-Konzepte erreichen kombinierte Reichweiten, die derzeit in Europa kaum erreicht werden. Solche technologischen Sprünge verschieben die Wettbewerbsverhältnisse auf globalen Märkten und treffen deutsche Hersteller auch in ihren traditionellen Absatzregionen.
Strategien gegen Arbeitsplatzverlust
Bratzel fordert, differenzierende Teile der Wertschöpfung wieder stärker nach Deutschland zu holen und in neue Bereiche wie automatisiertes Fahren zu investieren. Die Bilanz zeige, dass allein der technische Wechsel der Antriebe die Arbeitsplatzverluste nicht erklärt. Vielmehr seien strukturelle Industriepolitik, Investitionsanreize und ein wettbewerbsfreundlicheres Produktionsumfeld nötig, gerade in Zentren wie Berlin, wo politische Entscheidungen über Förderprogramme und Rahmenbedingungen getroffen werden.
Die Zahlen des CAM bieten Anlass für eine breite Debatte zwischen Politik, Industrie und Gewerkschaften: Ohne gezielte Gegenmaßnahmen droht die prekäre Entwicklung die industrielle Grundlage ganzer Regionen zu schwächen.