Flucht der Premiumhersteller: Warum VW, BMW und Mercedes ihre Produktionslinien nach Osteuropa verlegen
Premiumhersteller verlagern große Teile der Fertigung nach Osteuropa
Düsseldorf. Die Autoindustrie in Europa befindet sich in einer tiefgreifenden Umstrukturierung: Eine Handelsblatt-Analyse auf Grundlage internationaler Produktionsdaten zeigt, dass in den zehn größten Fertigungsländern die Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen gegenüber 2019 um rund 22 Prozent zurückgegangen ist. Besonders stark betroffen sind große westeuropäische Standorte, während Fabriken in Osteuropa vergleichsweise stabiler geblieben sind.
Die Zahlen im Überblick:
- Rückgang in den fünf größten westeuropäischen Produktionsländern Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien: minus 26 Prozent gegenüber 2019.
- Die fünf führenden osteuropäischen Standorte Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien und Slowakei verzeichnen nur ein Minus von rund 8 Prozent.
Die Ursache ist klar: Hersteller verlagern zunehmend komplette Fertigungsstränge in Länder mit niedrigeren Lohnkosten und günstigerer Förderlandschaft. Schon länger angekündigte Investitionen großer Premiumkonzerne wie VW, BMW und Mercedes finden verstärkt außerhalb der traditionellen westlichen Produktionszentren statt. Das Ergebnis sind stillere Hallen an manchen deutschen Standorten und volle Bänder in Teilen Osteuropas.
Für deutsche Werke fällt der Produktionsrückgang zwar deutlich aus, doch weniger dramatisch als in Großbritannien oder Italien. Beobachter führen das auf ein Bündel von Gründen zurück: tiefere lokale Zuliefernetzwerke, qualifizierte Fachkräfte, existierende Infrastruktur und gezielte Modernisierungsprogramme, die Standorte in Deutschland konkurrenzfähiger halten.
Die Folgen sind weitreichend: Regionen mit traditioneller Autoindustrie sehen Beschäftigungsdruck, Zulieferer müssen ihre Strategien neu ausrichten, und politische Debatten über Industriepolitik und Förderprogramme gewinnen an Schärfe. Zugleich entstehen neue Zentren in Osteuropa, die Fachkräfte anziehen und regionale Lieferketten weiter ausbauen.
Blick nach vorn: Experten erwarten, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzt, solange Kostenunterschiede, staatliche Anreize und logistische Vorteile bestehen. Für Politik und Wirtschaft bedeutet das eine neue Herausforderung: Wie lassen sich Wertschöpfung, Arbeitsplätze und technische Kompetenz in Deutschland langfristig sichern, während zugleich die Globalisierung der Produktion voranschreitet?

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