Mercedes verschärft Sparkurs: Tarifliche Sonderzahlung für 90.000 Beschäftigte auf nächstes Jahr verschoben
Mercedes verschiebt tarifliche Sonderzahlung und kündigt Gespräche über Arbeitszeit an
Stuttgart — Der Automobilkonzern Mercedes-Benz hat die für Juli geplante tarifliche Sonderzahlung für rund 90.000 tariflich Beschäftigte in Deutschland auf das kommende Jahr verschoben. Ein Schreiben an die Belegschaft, das dem SWR vorliegt, bestätigt die Entscheidung. Nach Angaben des Unternehmens begründet das Management den Schritt mit vergleichsweise hohen Arbeitskosten und einem verstärkten Wettbewerbsdruck.
Die betroffene Sonderzahlung ist Teil des jährlichen Transformationsbausteins und beträgt 18,4 Prozent des regelmäßigen individuellen Monatsentgelts. Laut Konzern seien weitere Maßnahmen nötig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Zugleich kündigte das Management an, in den kommenden Wochen mit dem Betriebsrat über eine Verlängerung der Arbeitszeit zu sprechen — ohne zusätzliche Lohnbestandteile. Tariflich arbeiten die Beschäftigten derzeit 35 Stunden pro Woche.
Der Gesamtbetriebsrat kritisierte die Entscheidung scharf und bezeichnete sie als «einseitige Entscheidung des Unternehmens». Nach Ansicht der Arbeitnehmervertretung seien die Ursachen der aktuellen Herausforderungen nicht bei den Beschäftigten zu suchen; dennoch würden diese erneut einen erheblichen Teil der Last tragen. Tarifvertraglich sei die Verschiebung zulässig, sie zeige jedoch, wie groß der Druck auf das Unternehmen inzwischen sei.
Für die kommenden Wochen zeichnen sich schwierige Gespräche ab: Betriebsrat und Management stehen vor Verhandlungen, die weitreichende Folgen für Arbeitsbedingungen und Arbeitskampfbereitschaft haben können. Beobachter sehen in dem Schritt zudem ein Signal an die Branche, dass Kostenreduktionen und Produktivitätssteigerungen künftig stärker in den Fokus rücken.
Wie sich die Entscheidung auf die Produktion, Zulieferer und das Betriebsklima auswirkt, bleibt abzuwarten. Betriebsräte und Beschäftigte kündigten an, die Entwicklung genau zu beobachten und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen zu prüfen.