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Stihl-Chef fordert Ende der 35-Stunden-Woche und längere Arbeit ohne Lohnausgleich

11. August 2026

Stihl-Chef verlangt längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich

Waiblingen — Nikolas Stihl, Vorstandsvorsitzender des Motorsägenherstellers Stihl, hat eine scharfe Debatte über Arbeitszeiten in Deutschland entfacht. Der 66-jährige Unternehmer fordert eine Rückkehr zu längeren Wochenarbeitszeiten, ohne dass Beschäftigte dafür zusätzlichen Lohn erhalten sollen. Seiner Ansicht nach sei dies notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu sichern.

Stihl begründet seine Forderung mit dem Druck auf die hiesige Industrie: «In den guten Zeiten konnte sich Deutschland die 35-Stunden-Woche leisten. Aktuell können wir das nicht mehr», sagte er gegenüber der dpa. Für ihn seien kürzere Arbeitszeiten in Kombination mit hohen Lohnkosten ein Risiko für Arbeitsplätze.

Die Reaktion der Gewerkschaften ließ nicht auf sich warten. Die IG Metall lehnt Pläne zur Ausweitung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich rundweg ab und kündigte Proteste an. In Tarifgebundenen Betrieben, etwa in der Autoindustrie, gilt die 35-Stunden-Woche bislang als Standard. Rechtlich besteht jedoch kein gesetzlicher Anspruch auf diese Arbeitszeit.

Hintergrund der Debatte sind massive Stellenverluste in der Industrie. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft weist aus, dass die Zahl der Industriearbeitsplätze zuletzt deutlich gesunken ist. Vor diesem Hintergrund sehen Vertreter der Wirtschaft die Kostenfrage als zentralen Hebel, um weiteren Arbeitsplatzverlusten entgegenzuwirken.

Stihl reiht sich in eine Reihe von Unternehmensführern ein, die härtere Bedingungen fordern. Zuvor hatte bereits ein Aufsichtsratschef großer Autohersteller eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche bei gleichem Gehalt vorgeschlagen. Für den Stihl-Chef sind die anstehenden Tarifverhandlungen daher eine potenziell konfliktträchtige Auseinandersetzung: Er erwartet harte Verhandlungen und einen hohen Widerstand gegen eine Rücknahme etablierter Standards.

Für Beschäftigte und Politik steht viel auf dem Spiel. Die Festlegung von Arbeitszeitmodellen berührt nicht nur Kostenstrukturen, sondern auch Arbeitsbedingungen und Lebensplanung vieler Beschäftigter. In den kommenden Monaten werden die Diskussionen in den Tarifrunden der Metall- und Elektroindustrie ein Gradmesser dafür sein, wie weit Politik und Sozialpartner bereit sind, bestehende Regelungen zu verändern.

Ausblick: Die Auseinandersetzung dürfte öffentlich und kontrovers geführt werden. Gewerkschaften planen Proteste, Unternehmen warnen vor weiterer EntIndustrialisierung. Entscheidend wird sein, ob Kompromisse möglich sind, die Wettbewerbsfähigkeit stärken, ohne die sozialen Standards einseitig abzusenken.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: businessinsider.de
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