Topwechsel in der Autoindustrie: BYD verliert Deutschlandchefin an Ford
BYD verliert seine Deutschlandchefin an den Wettbewerber Ford
Die chinesische Elektromarke BYD verliert überraschend eine ihrer wichtigsten Führungskräfte in Deutschland. Maria Grazia Davino, die das Deutschlandgeschäft des Konzerns seit ihrem Antritt vor weniger als zwei Jahren leitete, wechselt zum US-Hersteller Ford und wird dort ab Oktober die Vertriebsaktivitäten für Europa von Köln aus verantworten.
Insiderkreise berichten von Spannungen innerhalb der BYD-Führung: Davino soll wiederholt mit Stella Li kollidiert haben, der international zuständigen Topmanagerin aus China. In dem hierarchisch geprägten Umfeld habe Davino weniger Entscheidungsfreiraum erlebt als in westlichen Konzernen, heißt es aus Branchenkreisen.
Der Abgang kommt für BYD zu einem Zeitpunkt, in dem der Konzern seine Präsenz auf dem deutschen Markt massiv ausbaut. Der Verlust einer profilierten Chefin vor Ort könnte die Arbeit in Deutschland erschweren, zumal Davino über umfangreiche Erfahrung in der europäischen Automobilbranche verfügt. Vor ihrem Wechsel zu BYD war sie lange Jahre in leitenden Positionen bei Stellantis tätig.
Für Ford bedeutet die Verpflichtung eine sichtbare Verstärkung: Mit Davino holt sich der Konzern eine erfahrene Vertriebsexpertin, die sowohl mit europäischen Besonderheiten als auch mit der Herausforderung schneller Marktveränderungen vertraut ist. Beobachter erwarten, dass sie bei Ford vor allem die strategische Positionierung im wachsenden Markt für Elektrofahrzeuge vorantreiben wird.
Konkrete Gründe für den Zeitpunkt des Wechsels nannten beide Unternehmen bislang nicht. Branchenanalysten sehen in dem Personalwechsel zugleich ein Signal für die zunehmende Konkurrenz zwischen etablierten westlichen Herstellern und neuen Playern aus China.
Die Personalie dürfte auch die Debatte um Führungsstile und Entscheidungsstrukturen in globalen Autokonzernen neu beleben. Für BYD stellt sich nun die Frage, wie schnell und mit welcher Führungskompetenz das Unternehmen die Lücke in Deutschland schließen kann.