Volkswagen startet tiefgreifende Transformation und plant Abbau von bis zu 50.000 Stellen
Volkswagen leitet umfassenden Konzernumbau ein
Nach wochenlangen Auseinandersetzungen hat der Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns einem umfassenden Sanierungsplan des Vorstands einstimmig zugestimmt. Der als Zukunftsplan 2030 bezeichnete Entwurf sieht unter anderem den Abbau von bis zu 50.000 Stellen, eine Halbierung der Modellpalette in Europa und eine deutliche Reduzierung der Angebotskomplexität vor.
Der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume wertete die Zustimmung als klares Signal für einen langfristig wettbewerbsfähigen Kurs. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch betonte, mit der Umsetzung des Plans sei die dauerhafte Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu sichern. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies verwies auf die enormen Herausforderungen für Volkswagen und die gesamte deutsche Autoindustrie und forderte gemeinsames Handeln aller Beteiligten.
Gewerkschaft und Betriebsrat begrüßten die Abstimmung, machten aber deutlich, dass die Verantwortung nun beim Vorstand liege. Die Erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, und die Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, Daniela Cavallo, hoben hervor, dass die Transformation nur im Dialog und ohne einseitige Belastung der Beschäftigten gelingen dürfe. Zugleich betonten sie, dass bislang keine Werksschließungen beschlossen seien.
Wesentliche Eckpunkte des Zukunftsplans
- Reduktion der Modellpalette um rund 50 Prozent bis 2035
- Reduzierung der Angebotskomplexität um etwa 75 Prozent
- Straffung des Beteiligungsportfolios um rund ein Drittel
- Strengere Führungsstrukturen und kürzere Entscheidungswege
- Entwicklung eines Konzepts für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur in Europa bis Ende Juni 2027
Volkswagen weist darauf hin, dass in Europa eine Produktionsüberkapazität von rund 500.000 Fahrzeugen bestehe. Für die Standorte Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm könne derzeit keine gestaffelte wettbewerbsfähige Folgebelegung für die Jahre 2031 bis 2034 garantiert werden; parallel werden alternative Nutzungsmöglichkeiten geprüft.
Die Ankündigung stößt auf Besorgnis in Regionen mit starkem Volkswagen-Fußabdruck, zugleich sehen politische Akteure und Arbeitnehmervertreter die Notwendigkeit eines schnellen und verlässlichen Umsetzungsmanagements. Der Konzern steht nun vor der Aufgabe, die angestoßenen Maßnahmen zu konkretisieren und soziale sowie regionale Folgen mit transparenten Vereinbarungen abzufedern.
Der Zukunftsplan markiert nach Unternehmensangaben das bisher tiefgreifendste Transformationsprogramm in der Geschichte der Volkswagen Group. Für die kommenden Monate sind intensive Verhandlungen zwischen Vorstand, Aufsichtsrat, Anteilseignern und Arbeitnehmervertretungen sowie die Ausarbeitung konkreter Umsetzungspläne zu erwarten.