Mercedes zahlt Milliarden für den Abbau und richtet sich strategisch neu aus
Mercedes zahlt hohe Abfindungen, um Belegschaft schnell zu verschlanken
Stuttgart — Der Stuttgarter Konzern Mercedes hat im ersten Quartal bereits rund eine Milliarde Euro für sein Personalabbauprogramm ausgegeben. Finanzvorstand Harald Wilhelm wertete die Maßnahmen bei der Vorlage der Quartalszahlen als erfolgreich und berichtete von einer hohen Anteilnahme am freiwilligen Ausscheiden.
Details zu der Zahl der ausgeschiedenen Beschäftigten nennt Mercedes nicht. Hochgerechnete Vergleichswerte aus der Branche legen jedoch nahe, dass mehrere Tausend Mitarbeiter den Konzern verlassen haben könnten. Bei vergleichbaren Programmen lagen Abfindungen im Schnitt bei etwa 150 000 Euro pro Kopf; Spitzenwerte erreichen deutlich mehr. Vor diesem Hintergrund erscheint die bereits gebildete Belastung plausibel.
Das Programm NLPP, Next Level Performance Programm, war nach einer Verlängerung Ende März ausgelaufen. Für noch mögliche Einzelfälle zum freiwilligen Ausscheiden hat Mercedes die Rückstellungen um weitere 175 Millionen Euro aufgestockt. Wilhelm betonte, dass die einmaligen Kosten kurzfristig anfallen, die Einsparungen bei den Lohnkosten hingegen dauerhaft wirken und sich nach seiner Einschätzung binnen bis zu zwei Jahren amortisieren können.
Strategische Verlagerung und Nähe zum chinesischen Markt
Gleichzeitig beschleunigt Mercedes die Ausrichtung auf China. Vorstandschef Ola Källenius hatte bereits angekündigt, Entwicklungsteams und Forschung in China auszubauen und Zulieferketten dort stärker zu regionalisieren. Finanzvorstand Wilhelm sprach von einer erhöhten «proximity» zum Markt und nannte als Ziel, Entscheidungswege zu verkürzen und mehr Verantwortung vor Ort zu verorten, weil die bisherige «latency» zwischen Stuttgart und Peking zu groß sei.
Gleichzeitig betonte das Management, dass die zentrale Steuerung der Konzernentwicklung in Deutschland verbleiben solle. Die Verlagerung betreffe Entwicklung, Industrialisierung, Beschaffung und auch administrative Funktionen, mit dem Ziel, Kostenvorteile und höhere Geschwindigkeit bei der Produktreife zu nutzen.
Wettbewerbsdruck aus China verändert das Kalkül
Hintergrund der Umbaupläne ist der wachsende Druck durch chinesische Hersteller, die technologisch schneller geworden sind und in vielen Segmenten deutlich günstigere Preise anbieten. Mercedes nimmt an, dass diese Konkurrenz nicht auf den chinesischen Markt beschränkt bleiben wird, sondern zunehmend auch Exportmärkte erreicht. Der Konzern will deshalb lokal konkurrenzfähig produzieren und entwickeln, um seine Marktposition in Europa und weltweit zu behaupten.
Für Beschäftigte bedeutet die Restrukturierung einen tiefen Einschnitt, für das Management die Hoffnung auf eine schlankere Kostenstruktur und größere Wettbewerbsfähigkeit. Offen bleibt, wie schnell der Nutzen der Einsparungen tatsächlich greifbar wird und welche Folgen die tiefer gehende Verlagerung für Standorte und Stellen in Deutschland mittelfristig haben wird.

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