BYD unter Druck in Europa: Ungarn-Werk rückt ins Visier des EU-Parlaments
Europäische Ermittlungen stellen BYD-Expansion auf die Probe
Der chinesische Elektroautobauer BYD sieht sich in Europa mit schweren Vorwürfen konfrontiert, die seine ambitionierte Wachstumsstrategie gefährden können. Nach Recherchen und Hinweisen aus dem Europäischen Parlament stehen Arbeitsbedingungen auf der Baustelle des neuen Werks in Szeged im Mittelpunkt.
Berichten zufolge, unter anderem gestützt auf Erhebungen der NGO China Labor Watch, sollen von BYD beauftragte Bauunternehmen Tausende Arbeiter teils sieben Tage die Woche und mit Schichten von mehr als zwölf Stunden beschäftigt haben. Im Februar soll es bei einem Kranunglück einen tödlichen Zwischenfall gegeben haben. Ungarische Rettungsdienste bestätigten, seit dem 1. Februar zwölf Einsätze auf dem Werksgelände verzeichnet zu haben, darunter einen Todesfall.
Die Produktion in Szeged ist Teil von BYDs europäischer Offensive: Das Werk ist für eine Jahreskapazität von bis zu 300 000 Fahrzeugen ausgelegt und soll dem Konzern helfen, Zölle zu umgehen und europäische Märkte aggressiv zu bearbeiten. Der Vorwurf belastet BYD zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt, weil der Konzern in den ersten Monaten des Jahres deutlich wachsende Neuzulassungen in der EU verzeichnete.
Brisant ist die Nähe zu einem früheren Fall: Ein in Ungarn genannter Auftragnehmer gehört zu einer Baugruppe, die bereits in Brasilien in Verbindung mit BYD genannt wurde, wo 2024 Arbeitsbehörden schwere Mängel festgestellt hatten. Damals erklärte BYD, die Zusammenarbeit mit der betreffenden Tochter beendet zu haben. Auf aktuelle Anfragen zur Lage in Szeged gab es bislang keine offizielle Stellungnahme von BYD.
Die politischen und wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Für Investoren erhöht sich das Risiko, dass sich Debatten um Menschenrechte, Lieferketten und politischer Einfluss auf chinesische Konzerne in Europa verschärfen. Die Börse reagierte umgehend: An der Börse Stuttgart verlor die BYD-Aktie im frühen Handel rund 1,5 Prozent.
Rechtliche Prüfungen und parlamentarische Nachfragen können zu Verzögerungen beim Bau, zu politischen Interventionen oder zu strengeren Prüfungen in Zulieferketten führen. Beobachter erwarten, dass europäische Politik und Aufsichtsbehörden die Vorwürfe nun genau verfolgen werden, während Anleger und Geschäftspartner die Entwicklung aufmerksam beobachten.
Die Ermittlungen sind offen und können weitere Erkenntnisse bringen. Für BYD steht viel auf dem Spiel: Es geht nicht nur um Produktion und Marktanteile, sondern auch um Vertrauen in die Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechtsstandards entlang internationaler Lieferketten.