Ungarn als Werkbank: Wie Mercedes, BMW und VW die Produktion nach Osten verlagern
Deutsche Autohersteller verlagern Schlüsselproduktion nach Ungarn
Kecskemet, Debrecen, Győr – ungarische Städte sind längst keine Randnotiz mehr in der europäischen Autobranche. Mit milliardenschweren Investitionen bauen Hersteller wie Mercedes, BMW und die Volkswagen-Gruppe Fertigungskapazitäten in Ungarn aus und verlagern damit entscheidende Teile der Produktion aus Deutschland heraus.
Mercedes hat allein in Kecskemet mehr als eine Milliarde Euro investiert und das Werk zur größten Autofabrik des Landes ausgebaut. Neben Kompaktmodellen laufen dort inzwischen auch vollelektrische Baureihen vom Band. Durch neue Hallen, ein zusätzliches Presswerk, eine Lackiererei und eine Batteriemontage kann das Werk künftig bis zu 400 000 Fahrzeuge im Jahr fertigen. BMW setzte in Debrecen zwei Milliarden Euro ein und richtete eine moderne Elektroauto-Fabrik ein. Audi produziert in Győr weiter SUVs und Antriebseinheiten. Zugleich entsteht ein dichtes Zuliefernetzwerk, vom Getriebe bis zur KI-Entwicklung.
Warum die Verlagerung passiert
Haupttreiber sind ökonomische Zwänge: Managemententscheidungen zielen darauf, die Produktion in Niedriglohnländern europaweit auszubauen. Mercedes nennt Kostenvorteile von deutlich unter dem deutschen Niveau, Studien und Branchenexperten sprechen von Produktionskosten, die in Teilen bis zu 70 Prozent unter denen in Deutschland liegen. Staatliche Förderungen, schnelle Genehmigungsverfahren und gezielte Infrastrukturhilfen machen Ungarn zusätzlich attraktiv.
Folgen für Deutschland
Die Verlagerungen haben weitreichende Effekte: Produktionsvolumina in deutschen Werken schrumpfen, Investitionen fließen zunehmend ins Ausland, Beschäftigte sehen sich mit Kurzarbeit, Stellenabbau oder veränderten Arbeitsbedingungen konfrontiert. Für den Industriestandort Deutschland ist es ein Alarmsignal, wenn auch Premiummarken die Fertigung neuer E-Modelle außerhalb des Landes ansiedeln.
Ein Blick nach vorn
Die Verschiebung scheint noch nicht abgeschlossen. Branchenvertreter rechnen mit weiterem Outsourcing, solange strukturelle Kosten in Deutschland hoch bleiben. Allerdings ist der Kostenvorteil nicht unbegrenzt: Löhne in Ungarn dürften perspektivisch steigen, und politische Fragen wie Menschenrechts- und Demokratiekritik gegenüber der ungarischen Regierung spielen für die Diskussion eine Rolle.
- Mercedes baut in Kecskemet Kapazitäten für vollelektrische Modelle und bis zu 400 000 Autos jährlich
- BMW investierte in Debrecen in eine Elektroauto-Fabrik
- Audi und Volkswagen fertigen in Győr unter anderem SUVs und Antriebsstränge
- Ein weit verzweigtes Zuliefernetzwerk folgt den Großinvestitionen
Für Politik und Industrie stellt sich die dringende Frage, wie Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit in der Fahrzeugproduktion erhalten kann. Maßnahmen zur Senkung struktureller Kosten, gezielte Förderprogramme und Investitionen in Forschung und Qualifizierung könnten Antworten sein. Gleichzeitig bleibt offen, wie sich die neue geografische Arbeitsteilung langfristig auf Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland auswirkt.

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