Vakante Spitze bei Volkswagen blockiert Neubesetzung des Personalvorstands
Personalressort ohne Chef, Konzern in Unruhe
Düsseldorf. Volkswagen, Europas größter Autobauer, steckt mitten in einer der größten Umstrukturierungen seiner Unternehmensgeschichte. Ausgerechnet in dieser Phase bleibt eine zentrale Führungsperson seit Monaten unbesetzt: die Rolle des Personalvorstands.
Nach dem Weggang von Gunnar Kilian im Juli 2025 führt Markenchef Thomas Schäfer die Aufgaben kommissarisch, während Arne Meiswinkel die operative Arbeit im Personalressort übernimmt. Offiziell laufe die Suche nach einem Nachfolger auf Hochtouren, doch Beobachter berichten, dass der Prozess ins Stocken geraten sei.
Hinter den Kulissen tobt demnach ein Machtkampf zwischen zwei Lagern. Auf der einen Seite stehen Vertreter der Eigentümerfamilie und des Aufsichtsrats, auf der anderen Seite Kräfte, die stärker die Interessen der Arbeitnehmer und des Betriebsrats vertreten. Die Auseinandersetzung verzögert nicht nur die Besetzung der Position, sie erschwert nach Unternehmensangaben auch die Abstimmung wichtiger Personalentscheidungen in einer Zeit, in der zehntausende Stellen überprüft und teilweise gestrichen werden sollen.
Für das Management hat die Vakanz konkrete Folgen: Strategische Personalfragen, Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern und die Kommunikation der anstehenden Einschnitte laufen derzeit verteilt. Interne Quellen berichten von wachsender Frustration in der Belegschaft und von einem Vertrauensverlust gegenüber der Konzernspitze, solange keine klare Führungsentscheidung getroffen werde.
Die Verzögerung bei der Neubesetzung birgt auch politische und ökonomische Risiken. Investoren und Geschäftspartner beobachten, wie der Konzern mit der Doppelbelastung aus Sparprogramm und Führungsproblem umgeht. Zugleich macht die Situation die Verhandlungsposition des Betriebsrats komplexer, weil zentrale Ansprechpartner fehlen.
Für viele Beobachter ist die Personalfrage mehr als eine Personalie: Sie gilt als Gradmesser dafür, wie handlungsfähig Volkswagen in einer der schwierigsten Phasen seiner jüngeren Geschichte bleibt. Ob der Konzern kurzfristig eine Kompromisslösung präsentiert oder der Streit in eine längere Phase der Unklarheit mündet, dürfte die Sprintphase der Sanierung entscheidend beeinflussen.