US-Gesetzentwurf droht Mercedes Absatz und Produktion in den Vereinigten Staaten zu untersagen
US-Gesetz könnte Mercedes in den USA ins Abseits drängen
Ein aktueller Gesetzentwurf in Washington setzt Mercedes-Benz unter enormen Druck und stellt den Stuttgarter Konzern vor eine strategische Zerreißprobe. Sollte die Vorlage in der vorgesehenen Form verabschiedet werden, könnten Hersteller, die nach Ansicht der US-Regierung einem erheblichen Einfluss aus einem geopolitischen Konkurrenten unterliegen, vom amerikanischen Markt ausgeschlossen werden. Für Mercedes wäre das ein Szenario mit dramatischen Folgen.
Die Regelung sieht vor, Unternehmen zu sanktionieren, wenn sie zu mindestens 15 Prozent von sogenannten ausländischen Gegnerstaaten kontrolliert oder maßgeblich beeinflusst werden. Im Fall von Mercedes sind die größten Anteilseigner der chinesische Staatskonzern BAIC mit 9,98 Prozent sowie der chinesische Investor Li Shufu mit 9,69 Prozent. Entscheidend ist, ob diese Beteiligungen zusammen als ein einziger ausländischer Einfluss gewertet werden – dann läge Mercedes deutlich über der vorgesehenen Schwelle.
Aus Sicht der US-Politik geht es nicht nur um ökonomische Abschottung. Washington begründet die Initiative mit Sicherheitsbedenken und der Absicht, die technologische und wirtschaftliche Abhängigkeit von China zu verringern. Schon heute sind direkte Fahrzeugimporte aus China praktisch blockiert, künftig könnten aber auch Unternehmen mit relevanten chinesischen Verflechtungen ins Visier geraten.
Mercedes verfolgt die Debatte aufmerksam. Das Unternehmen teilte mit, man beobachte die Entwicklungen und stehe im engen Austausch mit politischen Entscheidungsträgern, um die Interessen von Produktion, Beschäftigten, Zulieferern, Händlern und Kunden in den USA zu wahren. «Da es sich bislang lediglich um einen Gesetzentwurf handelt, ist es zu früh, um einzelne Aspekte zu bewerten», heißt es aus dem Konzern.
Für Mercedes stehen in den Vereinigten Staaten sehr viel auf dem Spiel. Das Unternehmen gibt an, dass sein Engagement dort nahezu 160 000 Arbeitsplätze sichert: mehr als 10 000 direkte Beschäftigte, rund 107 000 Stellen bei Zulieferern und zehntausende Arbeitsplätze im Händlernetz. Das Werk in Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama ist nicht nur Montagebetrieb, sondern laut Konzern ein Entwicklungsstandort und globales Kompetenzzentrum für große Geländewagen. Dort laufen unter anderem die Modelle GLE und GLS sowie wichtige Elektro-SUV vom Band.
Ökonomen und Rechtsexperten warnen vor unbeabsichtigten Kollateralschäden. Einige sehen Interpretationsspielräume im Wortlaut des Entwurfs; andere halten ein vollständiges Verbot für möglich. Sollte Mercedes faktisch vom US-Markt verdrängt werden, träfe das nicht nur den Konzern, sondern auch US-Arbeitnehmer und Zulieferketten, die auf die Produktion angewiesen sind.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie weit die USA bereit sind, ihre strategischen Ziele gegen wirtschaftliche Eigeninteressen auszuspielen. Ein erzwungener Rückzug chinesischer Großaktionäre erscheint angesichts politischer und wirtschaftlicher Verflechtungen unwahrscheinlich. Zugleich wäre ein Ausschluss von Mercedes ein drastisches Signal in einem ohnehin angespannten US‑china‑Verhältnis und würde die Risiken für globale Lieferketten und Arbeitsplätze schlagartig erhöhen.
In Stuttgart beobachtet die Branche die Entwicklung mit Sorge: Ein Entscheid aus Washington könnte die strategische Planung des gesamten Konzerns und seiner Belegschaften in den USA massiv verändern. Unabhängig vom weiteren Verlauf bleibt klar, dass Mercedes in den nächsten Wochen und Monaten auf politischer Ebene intensiv um Lösungen ringen muss, um die Präsenz in einem seiner wichtigsten Absatzmärkte zu schützen.

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